13. Dez
Eröffnung um 19.00 Uhr
Vernissage

Till Megerle

Puff the Shit
13.12.2019

Till Megerle arbeitet mit verschiedenen Medien wie Zeichnung, Fotografie und Video. In Schwaz konzentriert er sich auf eine Serie kleinformatiger Fotografien, die junge Leute - Freunde des Künstlers - in verschiedenen Umgebungen zeigen. Wohnräume, Siedlungen, Landschaften am Stadtrand werden nicht als Einzelbilder sondern in Korrespondenz zueinander betrachtet. Megerle editiert die nicht direkt zusammenhängenden Motive zu einer fiktiven, aber sehr schlüssigen und vertrauten Handlung, die noch vor der extensiven Verbreitung von Handykameras stattgefunden haben muss. 
Man glaubt die teils unscharfen, teils schlecht ausgeleuchteten und zuweilen schräg angeschnittenen Aufnahmen von Jugendlichen und ihren Aktivitäten zu kennen, so genau treffen die Situationen die eigene subjektive Erinnerung. Farbe, Auflösung und Bearbeitung (die Fotos werden so wie sie sind in der Drogerie entwickelt) verorten die Abzüge in privaten Familienalben. Trotz ihrer Intimität und vermeintlichen Amateurästhetik sind die Fotos definitiv keine Schnappschüsse. Sie sind extrem präzise komponiert, obschon sie keine gestellten, sondern reale Szenen sehr direkt einfangen. Damit stellen sie die Frage was denn das Reale im Zusammenhang einer fotografischen Wiedergabe wäre und ob es so etwas wie Authentizität im Alltagsleben einer relativ homogenen gesellschaftlichen Gruppe überhaupt geben kann. 
Die Fotos scheinen das kleinstädtische Leben von Teenagern abzubilden, das sich noch im Einflussbereich des Elternhauses abspielt. Tatsächlich zeigen sie jedoch Personen in ihren frühen Zwanzigern. Was demnach die Kamera apparativ objektiv erfasst ist nicht das, was die Bilder erzählen. Till Megerle, der im protestantischen Teil Bayerns in der Festspielstadt Bayreuth aufgewachsen ist, besetzt mit seinen Fotos eine fein nuancierte Zwischenstelle zwischen Dokumentation und Inszenierung. Es bleibt in der Schwebe ob die Komposition, die sich als Struktur oder eine Art soziales Ornament über das Geschehen legt, die Figuren in einer bestimmten Formation fixiert oder ob sie sich dagegen behaupten. Die fotografierten Oberflächen sprechen umso deutlicher von popkulturellen Sehnsüchten je weniger diese in den vorkonfigurierten Lebensentwürfen der bundesrepublikanischen Wirklichkeit aufscheinen dürfen.
 

 

Foto © Till Megerle