Verlängert
Ausstellung

Fuckers

kuratiert von Jakob Kolding
09.12. - 13.03.2021
"Fuckers" Einladungskarte
01 Dea Trier Mørch - Wolfgang Tillmans
02 Ariane Müller - Anders Clausen
03 Anders Clausen
04 "Fuckers" Raumansicht
05 Julius Koller - E.B. Itso
06 emanzipa t ss tionsfrugten
07 "Fuckers" Raumansicht
08 Klara Lidén
09 Anders Clausen
10 Ariane Müller
11 Karl Holmqvist
12 Julius Koller - Karl Holmqvist
13 Julius Koller - Karl Holmqvist
14 "Fuckers" Raumansicht
15 Henrik Olesen
16 Henriette Heise
17 Anders Clausen
18 "Fuckers" Raumansicht
19 Henriette Heise - Karl Holmqvist
20 "Fuckers" Raumansicht
21 Monica Bonvicini
22 Julius Koller
23 Søren Andreasen
24 Julius Koller
25 Henri Chopin
26 "Fuckers" Raumansicht
27 Jonathan Monk
28 "Fuckers" Raumansicht
29 Anna Pech - Anette Kelm
29 Anna Pech
31 "Fuckers" Raumansicht
32 Tania Pérez Córdova
33 Detail Gerry Bibby
34 Anders Clausen
35 Ulla Rossek

Die Ausstellung beginnt mit Schwaz und einer Reihe von Ereignissen, die die Geschichte der Stadt geprägt haben, mit einer Geschichte, die ihrerseits eine bedeutende Rolle bei der Entstehung eines Narrativs spielt, das ein so integraler Bestandteil der heutigen Welt ist, dass es unmöglich erscheint, darüber hinaus zu denken. Dieses Narrativ ist der Kapitalismus.

 

In der Renaissance war Schwaz zeitweilig mit 20.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des österreichischen Kaiserreichs, was in erster Linie auf die immensen Silbervorkommen in Tirol zurück zu führen ist, die größten Europas, über die Erzherzog Siegmund der Münzreiche verfügte. Siegmund war - wie sein Name schon sagt - Münzliebhaber und er liebte es, sie auszugeben, was ihn zu dem Kaufmann Jakob Fugger führte. Mit Sicherheiten aus den Silberminen war Fugger nur allzu bereit, die Darlehen zur Finanzierung des verschwenderischen Lebensstils des Erzherzogs zu gewähren.

 

Siegmund wurde Jakob Fuggers Entree zum Bankier und Ermöglicher der Habsburger - von Siegmund bis Maximilian I. und später bis zu seinem Enkel Karl V.. Der Fugger verhalf den Habsburgern zu einem riesigen Reich, indem er die enormen Ausgaben für Bestechungsgelder, Kriege und Ehen finanzierte, die für den Aufstieg der Familie zur Großmacht notwendig waren. Im Gegenzug erhielt er neben einem beträchtlichen politischen Einfluss und über den Geldwert hinaus das Recht auf die Erträge aus den Bodenschätzen zurück, was ihm den Namen Jakob der Reiche einbrachte. Sein Reichtum erlaubte ihm, dem Vatikan üppige und großzügige Geschenke zu machen. Er überzeugte schließlich Papst Leo X. das Darlehenszinsverbot der katholischen Kirche aufzuheben und wurde dadurch zum Vater des modernen Bankensystems, welches die Superreichen von heute erst möglich macht.

 

Fuckers ist keine historische Ausstellung. Sie handelt von einer Geschichte, die es wert ist, noch einmal angeschaut zu werden, weil sie immer noch geschrieben wird.

 

Die Frage, die sich in der Ausstellung stellt, lautet: wenn wir uns kein Außen zu dieser Geschichte vorstellen können, ist es dann möglich, innerhalb derselben zu denken? Ist es möglich, Praktiken und Narrative vorzuschlagen, die sich der Logik eben dieser Praktiken und Narrative, in denen sie selbst stattfinden, verweigern?

 

Fotos © Verena Nagl