Filmvorführung 

Der Gruen Effekt. Victor Gruen
und die Shopping Mall
Buch und Regie: Anette Baldauf und
Katherina Weingartner
Dokumentation (A) 2010
Koproduktion: pooldoks - ORF/RTR/FFW
Einführung und anschließende Diskussion mit Anette
Baldauf

Victor Gruen war einer der einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts: Er gilt als der Vater der Shopping Mall und er war auch maßgeblich an der Entwicklung der Fußgänger-zone und letztendlich der Stadt als Mall beteiligt.

Nach seiner Flucht aus Wien 1938 versuchte Gruen in den 50er Jahren in den USA mit seiner Frau Elsie Krummeck das vitale Stadtzentrum Wiens in die zersiedelten

Vorstadtlandschaften zu übertragen. Sie entwickelten das Konzept einer "Shopping Town", die das soziale Leben in der isolierenden Vorstadt stärken und die formlosen Zerfransungen strukturieren sollte. Zum Ärger Gruens wurden in den bald sehr populären Zentren am Stadtrand die ursprünglich integrierten nicht-kommerziellen Räume, wie Postämter, Bibliotheken und Kindergärten in Verkaufsräume umgewandelt - aus der "Shopping Town" wurde die Shopping Mall, eine gigantische Verkaufsmaschine mit unvorstellbaren Folgen.

Gruen, inzwischen mit seiner Firma Gruen Associates weltweit etabliert, reagierte mit Projekten, welche der Stadtflucht und der Verödung der Stadtzentren entgegenwirken sollten. 1968 gingen viele US-amerikanische Städte in Flammen auf, und Gruen entschied sich, nach Wien zurückzukehren. Von nun an kämpfte er als Visionär, seiner Zeit voraus, gegen das Auto, für eine Fussgängerzone im gesamten Ersten Bezirk und eine Stadt der kurzen Wege. Auch wenn die Stadt Wien Gruens Konzept nur halbherzig realisierte und die Innenstadt mehr und mehr zur Open-Air-Mall und zum kitschigen Themenpark der eigenen Vergangenheit mutierte, so bieten Gruens Visionen, Irrtümer und Übersetzungsfehler heute eine produktive Voraussetzung für eine Diskussion über die Zukunft unserer Städte.